Samek-Akten
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Karl Kraus ca. Reichspost
[2.] Die Reichspost brachte einen Artikel zu Kraus' religiösem "Kreislauf" (Judentum/Katholizismus/Austritt). Kraus und Samek forderten die Berichtigung falscher Darstellungen in diesem Artikel (vgl. dazu Die Fackel 601-607, November 1922, S. 4-5). Da die Berichtigung nicht erfolgte, klagten Kraus und Samek den verantwortlichen Redakteur Karl Schiffleitner, der die Berichtigung als irrelevant abgelehnt hatte. In der Anklageschrift wurde die Bedeutung des Hinzufügens und Weglassens einzelner Worte, die zur Entstellung des Grundgedanken führten, genau erörtert (u.a.

Karl Kraus ca. Neues 8 Uhr Blatt
[4.] Das Neue 8 Uhr Blatt brachte die Falschmeldung, dass drei Bühnenwerke von Frank Wedekind, Egon Erwin Kisch und Karl Kraus - "Die letzte Nacht" - von der Zensur verboten worden seien. Kraus und Samek forderten eine Berichtigung, die allerdings nicht gebracht wurde. Also klagte Samek den verantwortlichen Redakteur Friedrich Oppenheimer nach §§ 23, 24 des Pressegesetzes wegen Unvollständigkeit der Berichtigung. In der Hauptverhandlung am 10.

Karl Kraus ca. Reichspost
[6.] Die Reichspost behauptete: Karl Kraus habe sich zwar "mit Begeisterung in den Umsturz" gestürzt, aber sofort aufgehört, die Republik "über den grünen Klee und über alle monarchische Vergangenheit" zu preisen, "als ihm Genosse Breitner die neu erfundenen Steuern abzwackte" (vgl. 6.1.). Kraus und Samek forderten eine Berichtigung, in der klargestellt werden sollte, dass Kraus' Kritik sich nicht auf die Steuer an sich, sondern auf das "Vorgehen eines Magistratsbeamten" bezogen habe, das "Ueberreste des monarchischen Geistes in der Republik" sichtbar gemacht habe.

Karl Kraus ca. Neues Wiener Journal
[65.] Im Neuen Wiener Journal beklagte sich Edmund Wengraf unter dem Titel "Journalisten" über Karl Kraus, der "seine Lebensaufgabe darin erblickt, die Tagespresse [...] um ihr Ansehen zu bringen und die Zeitungsschreiber als Nichtswisser und Nichtskönner hinzustellen.

Karl Kraus ca. Arbeiter-Zeitung
[88.] Kraus und Samek verlangten eine Berichtigung, da die Arbeiter-Zeitung Kraus fälschlicherweise als Beleg dafür anführte, dass der Autor des Liedes "Heiraten, heiraten" nicht Johann Nestroy, sondern der Komponist Julius Hopp sei.
Kraus hatte in der Fackel gerade das Gegenteil festgestellt. Da die geforderte Berichtigung am 26. Juni 1927 nicht termingerecht, unvollständig und zudem nur als Zuschrift erschien, klagten Kraus und Samek die Arbeiter-Zeitung beziehungsweise ihren verantwortlichen Redakteur Bruno Hohlfeld.

Karl Kraus ca. Reichspost
[92.] Auch die Reichspost berichtete über Kraus' plakatierte Rücktrittsforderung an Schober. Sie spekulierte, warum die Wiener Plakatierungs- und Anzeigengesellschaft (WIPAG) dieses anbrachte, aber das Békessy-Plakat nicht. Außerdem machte sie sich über die Unwirksamkeit von Kraus' plakatierten Aufforderungen lustig.

Karl Kraus ca. Neues Wiener Tagblatt
[109.] Das Neue Wiener Tagblatt berichtete von "Skandalszenen bei einer Kraus-Vorlesung" in Berlin. Sämtliche Kraus betreffende Behauptungen in diesem Artikel waren unwahr - es hatte nicht einmal eine Vorlesung im Neuen Theater am Zoo stattgefunden.

Korrespondenz mit Siegfried Geyer
[115.] In dieser Korrespondenz ging es um zwei Angelegenheiten:
Erstens hatte Siegfried Geyer angeblich Adolf Loos gegenüber bemerkt, dass Kraus seine Vorlesungstermine so lege, dass er für Loos, der wegen "Schändung, Verführung und Unzucht" dreier Schulmädchen angeklagt worden war, nicht als Zeuge aussagen könne. Als Samek ihn mit dieser Behauptung von Loos brieflich konfrontierte, stellte Geyer richtig, dass es sich um ein Missverständnis handle.

Karl Kraus ca. Arbeiter-Zeitung
[121.] In der 'Fackel' Nr. 795-799 kritisierte Kraus die unauthorisierten Kürzungen, die die Arbeiter-Zeitung in einem Artikel ihres Mitarbeiters Franz Leschnitzer vorgenommen hatte als "Vergewaltigungen". Die Arbeiter-Zeitung glossierte etwa drei Monate später diese Kritik unter dem Titel "Literatur vor dem Handelsgericht". Kraus verlangte eine Berichtigung diverser, in dieser Glosse falsch dargestellter Tatsachen, die aber nicht gebracht wurde. Also brachten Kraus und Samek Klage ein.

Karl Kraus ca. Der Tag
[126.] Der Tag berichtete, dass es bei der Dresdener Erstaufführung von Kraus' "Die Unüberwindlichen" zu "heftigen Skandalszenen im Publikum" gekommen sei:
"Zwei Akte waren anstandslos gespielt worden, als dem Publikum mitgeteil wurde, daß Camillo Castiglioni gegen die Verwendung einer Figur, durch die er verkörpert werden sollte, Einspruch erhoben habe und daß diesem Einspruch stattgegeben worden sei. Ein Schauspieler trat dann vor die Rampe und erzählte den Inhalt des dritten Aktes." (126.1.)