Samek-Akten
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Karl Kraus und Marie Turnowsky ca. Die Stunde
[13.] Kraus beantragte zusammen mit seiner Schwester Marie Turnowsky in Sachen des manipulierten Kinderbildes (siehe Akt 12.) Ermittlungen gegen Die Stunde wegen Übertretung des Urhebergesetzes einzuleiten. Man versuchte, den unbekannten Verfasser des Bildartikels zu ermitteln. 13 Redaktionsangehörige, darunter Emmerich Bekéssy, Anton Kuh und Karl Tschuppik wurden befragt. Der Maler Adalbert Sipos gab im Zuge dieser Vernehmungen zwar zu, das Bild retouchiert und karikiert zu haben, konnte sich jedoch angeblich nicht erinnern, von wem er den Auftrag dazu erhalten hatte.

Karl Kraus und Richard Lányi ca. Die Stunde
[15.] Karl Kraus und Oskar Samek beantragten, dass gegen die widerrechtliche Verwendung eines Kraus-Portraitfotos, an dem Richard Lányi das Urheberrecht hatte, in einer Fotomontage der Stunde eingeschritten werde. Kraus wurde darin zum Werbeträger für Autos, Bitterwasser und "Zigeunermusik". Voruntersuchungen gegen unbekannte Täter wegen Verstoßes gegen das Urhebergesetz wurden eingeleitet. Unter anderem wurde die Klischeefirma Hofbauer und die verantwortlichen Redakteure befragt und beschuldigt.

Karl Kraus ca. Die Stunde
[23.] Die Stunde veröffentlichte einen Artikel, in dem sie dem Budapester Anwalt Miksa Rosenberg Beamtenbestechung am Budapester Strafgericht im Auftrag von Karl Kraus unterstellte. Nach Absprache mit Miksa Rosenberg beantragten Samek und Kraus die Einleitung von Voruntersuchungen gegen Emmerich Békessy, Fritz Kaufmann und weitere unbekannte Täter wegen Ehrenbeleidigung.

Karl Kraus ca. Die Stunde
[25.] In der Stunde erschien der Artikel "Dem Kiebitz ist nichts zu teuer. Karl Kraus denunziert schon wieder die Sozialdemokraten", in dem Karl Kraus unterstellt wurde, ein "Denunziant" mit "psychopathischer Selbstüberschätzung" und monarchistischer Einstellung zu sein. Ein Brief von Kraus an Wilhem Liebknecht, den damaligen Führer der deutschen Sozialdemokratie, wurde als Beleg abgedruckt. Kraus hatte um 1900 an Liebknecht geschrieben:

Karl Kraus ca. Die Stunde
[26.] Im dem in der Stunde erschienenen Artikeln "Dem Kiebitz ist nichts zu teuer. Karl Kraus denunziert schon wieder die Sozialdemokraten" (siehe Akt 25) und "Krawallszenen bei einer Karl Kraus Vorlesung" - der darüber berichtet, dass Kraus' Vortrag im Favoritener Arbeiterheim angeblich aufgrund der Empörung der Arbeiter abgebrochen werden musste - identifizierten Kraus und Samek 23 Stellen, die Kraus unehrenhafter Handlungen beschuldigten, ihn herabsetzten und lächerlich machten. Daher beantragten sie Voruntersuchungen gegen unbekannte Täter wegen Ehrenbeleidigung.

Karl Kraus ca. Die Stunde
[27.] Kraus und Samek klagten Ernst Ely als Autor des bereits inkriminierten Artikels "Dem Kiebitz ist nichts zu teuer. Karl Kraus denunziert schon wieder die Sozialdemokraten" (siehe auch Akt 25 und 26) - In der Privatanklageschrift vermerkten sie, dass Gina Kaus dazu als Zeugin befragt werden könne.

Karl Kraus ca. Hans Liebstöckl
[31.] Der Journalist Hans Liebstöckl, der für die Stunde arbeitete, trat im Café Imperial an Kraus' Bekannte Alma Pollak heran und begann an ihrem Tisch ein Gespräch, in dem er sich sehr abfällig über Bekessys Blatt äußerte. Kraus zitierte diese, ihm hinterbrachten Äußerungen Liebstöckls in "Entlarvt durch Bekessy" in der Fackel, Nr. 691-696:

Karl Kraus ca. Kronos-Verlag
[32.] Karl Kraus brachte in der Fackel Nr. 697-705 (S. 144) eine Fotografie der Redaktionsmitlieder der Bühne, einer Zeitschrift, die ebenfalls Békessy gegründet hatte. Er bildete dieses Foto ohne Genehmigung des Fotografen Willinger und zudem nicht in der richtigen Größe ab. Der Kronos-Verlag - vertreten durch Fritz Kaufmann und Ernst Ely - verlangte daraufhin eine Berichtigung von Kraus. Als Kraus diesem Verlangen nicht nachkam, zeigte der Kronos-Verlag Kraus beim Landesgericht für Strafsachen I Wien an.

Anzeige von Karl Kraus an Staatsanwaltschaft gegen Die Stunde wegen Inseratenerpressung Café Ankerhof
[40.] Josef Heller, der Besitzer des Café Ankerhof wurde erpresst, Inserate in der Stunde zu schalten. Sein Schwiegersohn Josef Jellinek brachte dies Karl Kraus zur Kenntnis, der in Zusammenarbeit mit Friedrich Austerlitz und Oskar Samek eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft einbrachte. Im Juli 1926 musste Békessy unter dem Druck der sich häufenden Vorwürfe und aufgrund einer ihm drohenden Anklage wegen Erpressung Wien (mehr oder weniger heimlich) verlassen.

Anzeige von Karl Kraus an Staatsanwaltschaft gegen Die Stunde wegen Inseratenerpressung im Bankhaus Kux, Bloch & Co
[41.] Josef Jellinek (vgl. Akt 40) brachte Friedrich Austerlitz und Karl Kraus noch weitere Erpressungen durch die Inseratenabteilung des Kronos-Verlages zur Kenntnis. So hätte Administrationdirektor Forda auch das Bankhaus Kux, Bloch & Co. unter Druck gesetzt. Als dieses aber kein Inserat schaltete, wurde es in der Stunde wiederholt heftig angegriffen. Wiederum erstattete Kraus in Zusammenarbeit mit Friedrich Austerlitz und Oskar Samek Anzeige bei der Staatsanwaltschaft.