Der Vorleser
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Diverse Korrespondenzen betreffend Emmerich Békessy
[42.] Nach Békessys Flucht aus Wien versuchten Kraus und Samek weiterhin, Békessy im Auge zu behalten. Kraus war es zwar gelungen war, den "Schuft aus Wien hinauszubringen", nicht jedoch ihn selbst vor ein ordentliches Gericht zu stellen. Es erschien also zweckmäßig (auch im Falle einer Rückkehr Békessys), dessen Aktivitäten zu beobachten. Samek holte in diesem Sinne bei einer Reihe von Peronen - u.a. Marcel Ray, Ladislaus Faragó, Albert Klein, Karl Peyer etc. - Informationen über Békessy und sein Leben in Paris und Budapest ein.

Korrespondenz mit Dr. Paul Schrecker (betreffend die Verbindungen Békessys zu Camillo Castiglioni)
[43.] Wie auch aus Akt 42 ersichtlich, ließen Kraus und Samek durch Bekannte Békessys Aktivitäten in Paris und Budapest nach seiner Flucht aus Wien beobachten. Paul Schrecker berichtete nun aus Bayern und später aus Berlin von seinen Nachforschungen in der Frage, ob Békessy von Castiglioni Gelder erhielt. Außerdem wusste er, dass Békessy von Paris aus bereits wieder mit der Berliner Zeitungswelt in Verbindung stand, u. a. mit Stefan Grossmann und Karl Tschuppik.

Korrespondenz mit J. Wolf (Berlin) in Angelegenheit Kraus – Die Stunde
[44.] Sachverhalt aus dem Akt nicht klar ersichtlich (im weiteren Sinn geht es um Békessy und um die "Affäre Thorsch").

Angelegenheit Weller O’Brien (Die Stunde – Nordische Bank)
[45.] Gegen Harry Weller O'Brien wurde wegen Inseratenerpressung bei der Nordischen Bank vorgegangen. Kraus interessierte sich für das Protokoll der Gerichtsverhandlung und die dazugehörige Berichterstattung im Zusammenhang mit seiner Verfolgung der Angelegenheit Békessy.

Korrespondenz mit Karl Holländer betreffend das Vorleben Emmerich Békessys
[46.] Karl Holländer und Laszlo Faragó holten in Ungarn Erkundigungen über Békessys Vorleben, vor allem aus seiner Militärzeit, ein. Verschiedene Leute berichteten, dass Békessys Leben schon damals einer "ununterbrochenen Kette von Hochstapeleien" gleichgekommen sei und er "sichs gerichtet" habe: "Békéssy, der unberechtigt sich mit ssy seinen Namen schreibt (ssy ist in Ungarn ein Adelszeichen) Békési so wird er richtig geschrieben, hat früher anders (vermutlich Blau oder Braun) geheissen." Samek benötigte diese Informationen im Prozess Leo Schmidl ca. Békessy (siehe Akt 57).

Korrespondenz mit Lyonel Dunin-Kleinberg betr. Affäre Die Stunde – Békessy
[47.] Lyonel Dunin sagte gegen die Stunde aus und gab unter anderem zu Protokoll, dass Harry Weller O’Brien (siehe Akt 45) bestochen worden sei, bei seiner Gerichtsverhandlung in seinen Aussagen über Békessy Zurückhaltung zu üben. Dunin informierte außerdem über die Postsparkassenaffäre.

Korrespondenz mit Leo Singer (betreffend Békessys Versuche, in Budapest eine neue Zeitung zu gründen)
[48.] Leo Singer schickte Kraus und Samek übersetzte Beiträge aus den ungarischen Zeitungen Hétföi Naplo, Hetiujság, A Reggel, Csütörtök, Pesti Napló (Pester Journal) und Uj Nemzedek (Neue Generation), die über Békessys Rückkehr nach Budapest berichteten. Darunter befand sich unter anderem eine vollkommen idealisierte Biographie Békessys (48.4.) oder auch ein beschönigender Bericht über Békessys Aktivitäten, der wahrscheinlich von Anton Kuh stammt (48.8.).

Reservat-Akten (Fragmente und Ähnliches)
[49.] Oskar Samek sammelte in diesem Akt verschiedenstes, Békessy betreffendes Material. Unter anderem listet ein Manuskript alle Fälle des Landesgerichts auf, in die Békessy und die Stunde involviert waren (49.7.). Es finden sich hier weiters die Reproduktionen des Jugendbildes von Karl Kraus und seiner Schwester mit Druckanweisungen (49.14. - vgl. dazu Akt 12. - 18.), Dossiers über Ernst Ely und die Inseratengeschäfte der Stunde sowie verschiedene Geschworenenlisten (49.17.) und sogar ein Konzept für einen Steckbrief gegen Békessy (49.23.).

Konvolut Zeitungsausschnitte zum Prozess Békessy ca. Stolpern/Federn
[50.] Oskar Samek und Karl Kraus interessierten sich im Zuge ihres Vorgehens gegen Békessy sehr für einen bestimmten Modellfall: Gustav Stolper und Walther Federn hatten in ihrer Zeitschrift Der Österreichische Volkswirt Békessy ein "politisch schamloses, charakterloses Subjekt" sowie einen "Lügner und Schwindler" genannt und sich bereit erklärt, den Wahrheitsbeweis dieser Worte auch vor Gericht anzutreten. Es kam zum Prozess. Hier sammelte Samek vorerst die Reaktionen der Békessy-Zeitungen und anderer Blätter, die dieser Stellungnahme folgten.

Korrespondenz betreffend den Fall Békessy ca. Stolpern/Federn
[51.] Am 19. Juni 1926 übergab der Anwalt Rudolf Bienenfeld (mit dem Einverständnis von Walther Federn) Oskar Samek und Karl Kraus die Korrespondenz zu den Prozessen Békessy ca. Stolper/Federn, die sich gegenseitig wegen Ehrenbeleidigung klagten. Anlass war, dass Gustav Stolper und Walther Federn in ihrer Zeitschrift Der Österreichische Volkswirt Békessy ein "politisch schamloses, charakterloses Subjekt" und einen "Lügner und Schwindler" (siehe Akt 50) genannt und sich zugleich bereit erklärt hatten, den Wahrheitsbeweis dieser Worte auch vor Gericht anzutreten.