Der Vorleser
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Karl Kraus ca. Neue Wiener Bühne
[8.] Kraus und Samek forderten wiederholt eine korrekte Tantiemenabrechnung, inklusive der 12. Vorstellung eines nicht genannten Stückes von Karl Kraus - der Gewinn aus dieser Vorstellung war für wohltätige Zwecke bestimmt und sollte daher im Spendenausweis der Fackel aufscheinen. Aus den Aufzeichnungen von Oskar Samek ist ersichtlich, dass die fehlende Tantiemensumme schließlich bezahlt wurde.

Karl Kraus ca. Robert-Bühnen
[10.] Karl Kraus urgierte durch Oskar Samek dringend die Auszahlung der fälligen Tantiemen für die Aufführungen von "Traumstück" und "Traumtheater" durch die Neue Wiener Bühne. Trotz wiederholter Mahnungen war der Betrag von 9.716.100 Kronen, der an die Hinterbliebenen der Opfer des Bergwerkunglücks in Gloggnitz gehen sollte, bisher nicht bezahlt worden. Schließlich klagten Kraus und Samek Eugen Robert, den Direktor der Robert-Bühnen beim Bezirksgericht Josefstadt.

Straf- und Exekutionsverfahren Karl Kraus ca. Anton Kuh
[35.] Über sieben Jahre lang versuchten Karl Kraus und Oskar Samek die offenen Forderungen aus dem Prozess gegen Anton Kuh (Akt 34) einzutreiben. Da Kuh sich hauptsächlich in Deutschland aufhielt und darum eine Exekution in Österreich aussichtslos erschien, versuchten Kraus und Samek mit Hilfe des Berliner Rechtsanwalts Willy Katz - der später noch mehrfach mit ihnen zusammenarbeitete - 1932 in Berlin die Kosten einzutreiben. Der dortige Rechtsanwalt Kuhs erhob vorerst den Einwand der Verjährung des Anspruchs nach drei Jahren, konnte dies aber nicht durchsetzen.

Karl Kraus ca. Hamburger Fremdenblatt
[83.] Das Hamburger Fremdenblatt druckte am 4. und 5. April 1927 den Aufsatz eines gewissen Willy Reese, betitelt mit "Opfer der Berühmtheit". Dieser Aufsatz entsprach bis auf geringfügige Änderungen Karl Kraus' Glosse "Der Biberpelz". Oskar Samek schrieb dem Hamburger Fremdenblatt, dass sich Autor und verantwortlicher Schriftleiter damit der Verletzung des Urheberrechts schuldig gemacht haben und drohte mit Klage, sollte nicht innerhalb von acht Tagen eine Bußgeld in der Höhe von 3000 Goldmark gezahlt werden.

Darlehenssache Berthold Viertel
[98.] Kraus hatte Berthold Viertel nach der Auflösung seines Theaterunternehmens "Die Truppe" 3000 Mark geliehen, um seine Schulden abzudecken. Von August 1928 bis zum Dezember 1930 zahlte Berthold Viertel nun diese Schuld in monatlichen Raten von ca. 100$ zurück. Der spätere bekannte Regisseur Fred Zinnemann wickelte als Sekretär einen Teil der Ratenzahlungen ab.

Anzeige gegen die Fackel-Kolporteure
[101.] Kolporteure der Roten Hilfe verkauften während des Arbeitersängerfestes in Wien Kraus' Schoberlied als Sondernummer der Fackel. Dabei wurde eine Anzahl von Kolporteuren von Polizisten wegen unbefugten Verkaufs angehalten, ihre Exemplare beschlagnahmt und für verfallen erklärt, und sie selbst zu einer Strafe von 5 Schilling oder 12 Stunden Arrest verurteilt. Mit der Unterstützung von Kraus und Samek legten sie Berufung gegen das Straferkenntnis ein -"wegen mangelhaften Verfahrens und Gesetzwidrigkeit".

Karl Kraus ca. Erich Schamschula
[133.] Der Musiker Erich Schamschula schuldete Kraus nach einer gemeinsam durchgeführten Vorlesungsreihe in der Tschechoslowakei noch Geld. Als Kraus das Geld zurückfordern wollte, aber von Wien aus keinen Erfolg damit hatte, Schamschula ausfindig zu machen, wurde der Fall dem Prager Rechtsanwalt Johann Turnovsky übergeben.

Karl Kraus ca. Augsburger Stadttheater
[145.] Das Augsburger Stadttheater führte am 1. Dezember 1929 ohne Kraus' Einwilligung Szenen aus "Die letzten Tage der Menschheit" auf. Kraus und Samek beauftragten also ihren Münchner Anwalt Max Hirschberg, eine Schadensersatzforderung gegen das Stadttheater Augsburg einzubringen, wobei ihnen auffiel, "dass dessen Direktor Lustig-Prean im Kriege Mitglied des Kriegspressequartiers war und der Sohn eines Heimwehrgenerals ist" (145.1.).

Karl Kraus ca. Ernst Josef Aufricht
[146.] Wie Berthold Viertel (siehe Akt 98) schuldete auch Ernst Josef Aufricht Kraus nach dem Konkurs des Theaterunternehmens "Die Truppe" noch 2753,45 Reichsmark. Anders als Viertel konnte Aufricht offenbar das Geld für die Rückzahlung nicht aufbringen, versprach aber Kraus und Samek über ein halbes Jahr lang wiederholt, dass er bald zahlen werde:

Angelegenheit Peter Lorre (Laszlo Löwenstein)
[183.] Im Mai 1933 forderte Kraus durch Samek von Peter Lorre ein Darlehen von 3000 Schilling zurück. Kraus ging es zu dieser Zeit finanziell nicht mehr so gut, doch auch Lorre traf diese Rückforderung in schlechten Zeiten: Er war krank und zudem auf seinem Weg ins Exil. Lorres Frau, die Schauspielerin Celia Lovsky (ehemals Cäcilie Lvovsky) wickelte die Korrespondenz mit Samek in dieser Sache ab, zum einen da es Lorre selbst gesundheitlich schlecht ging, zum anderen, weil sie einst Karl Kraus "besonders nahe gestanden" hatte (183.20).